Mozartwoche 2016

22.1.2016

Der Erfolg langerprobter englischer Tradition wurde zum fulminanten Auftakt der Mozartwoche 2016.

Frenetischer Jubel und standing ovations für Sir John Eliot Gardiner, seinen Monteverdi-Choir und die English Baroque Soloists waren das Ergebnis des fulminanten Auftaktes der Mozartwoche 2016 im Salzburger Großen Festspielhaus am Freitagabend. Fulminant, im Ductus mehr barock als klassisch im Ansatz: natürlich sind die Messe in c-Moll KV 427 und das von F.X. Süßmayr ergänzte Requiem KV 626 (diese Fassung wählte Sir John) mehr dem stilo antico verhaftet und geben daher den scharfen Konturen des Chorklanges und den prägnanten schneidenden Blechbläserklängen ihre Berechtigung. Mancher hätte sich vielleicht noch „klassischere“ Manieren gewünscht. Das Kyrie der Missa war ganz von der tragischen Komponente getragen, einfühlsamst abgelöst durch das Christe eleison der ausdrucksstark auch im Pianissimo agierenden Sopranistin Amanda Forsythe, die schließlich zusammen mit Hannah Morrison im Et incarnatus est mit den Stimmen der Holzbläser zu einer vollendeten homogenen Ensemblemusik beitrug, die dem Publikum schier ein Anhalten des Atems abrang. Sanctus und Benedictus waren bestimmt durch die Plastizität der Doppelchörigkeit und der Bestimmtheit, der C-Dur-Tonart den Charakter der Festlichkeit zu verleihen.

Gleich zwei Fragmente geistlicher Musikkunst an einem Abend von ein und demselben Meister anzubieten, ist ein besonderes Unterfangen. Umso mehr war man auf die Deutung des Requiem gespannt: hier nahm Gardiner eine sanftere Gangart, erlaubte im Introitus den Basetthörnern ein tiefes Seufzen in den Sekund-Reibungen und verlieh durch ein zurückgenommeres Tempo dem Ganzen eine herbe Feierlichkeit. Diese wurde jäh im blitzenden, beinahe gejagten Dies irae verlassen und wirkte in einer Art Unrast sogar noch im sonst klagenden Recordare nach, sosehr sich auch das sauber aufeinander abgestimmte Solistenquartett ( Amanda Forsythe, Kate Symonds-Joy, Peter Harris und David Shpley) um Textdeutung bemühte. Wieder einmal mehr wurde deutlich, wie platt und wenig passend Süßmayrs Sanctus und Benedictus zum Mozart’schen Wurf kontrastieren; der Mut bei einer nicht liturgischen Darstellung diese Sätze wegzulassen, würde sich lohnen. Zweifellos war das klangliche Ergebnis der Engländer mehr als überzeugend – nicht zuletzt, weil man auf den britischen Inseln schon zu einer Zeit mehr als professionell mit Alter Musik im historischen Klangbild umging, als man hierzulande noch Experimente zu einer Sensation heraushob: die lange Tradition und Beschäftigung mit dem alten Klangbild machte den Erfolg dieses Abends aus, für dessen lang anhaltenden Jubel sich Gardiner schließlich mit einem innigen Ave verum bedankte.

Rupert Gottfried Frieberger