Mozartwoche 2015

29.1.2015

Perfekter Violinkonzert-Marathon

Die Höhepunkte zur Mozartwoche reißen 2015 nicht ab: gleich einem Marathon spielten am Donnerstagabend im großen Saal des Mozarteums die exzellente Geigerin Isabelle Faust und das Orchester „Il Giardino Armonico“ auf Originalinstrumenten unter Leitung von Giovanni Antonini sämtliche Violinkonzerte Mozarts – mit Interudien von Haydn und Gluck: musikantisch, bravourös, ausdauernd, mehr als spannend und werkgetreu: das Publikum dankt es zurecht mit tosendem Applaus, denn so etwas wird man nicht bald wieder erleben können.

Rupert Gottfried Frieberger

 

28.1.2015

Hochromantisches als Mozart-Kontrast

Der junge Dirigent Andrés Orozco-Estrada, nicht unbekannt als Chef des Niederösterreichischen Tonkünstlerorchesters, wählte für sein Konzert mit den Wiener Philharmonikern zur Mitte der Mozartwoche Salzburg ein interessantes Programm, das er temperamentvoll zu leiten wusste. Die 1. Symphonie des 2012 verstorbenen Elliot Carter entpuppte sich als farbenprächtiges Tongemälde, das nach einem introvertierten Adagio in ein launiges, von Ostinati und Taktwechsel geprägtes Finale überging. Gefolgt von Schuberts „Arpeggione-Sonate“ als Bearbeitung für ein Violoncello-Konzert mit Orchester wusste man spätestens jetzt, dieser Abend ist alles andere als „Mozart-verdächtig“: wer hätte gedacht, dass auf dem langen Weg zur Zurechtrückung eines entschlackten Mozartbildes so etwas beim Salzburger Winterfestival möglich ist? Gautier Cabuçon zeigte sich als großer Virtuose von Format, die Philharmoniker konnten in hochromantischen Tönen schwelgen – ein berechtigter Kontrast und schon wieder etwas Neues.

Mit der kleinen Es-Dur-Symphonie KV 16 zollte man Mozart Tribut. Und mit der abschließenden Ersten Schuberts waren Klangerinnerungen an bekanntes Philharmonisches aus Wien gegeben: die „Wiener“ können es eben kaum lassen, sich vom Vibrato zu verabschieden und polierten Schönklang zu liefern. Insofern war der Abend eine gelungene Vision über Mozarts Tellerrand in die Welt der Romantik.

Rupert Gottfried Frieberger

 

27.1.2015

Mozarts Instrumente im Zusammenklang mit Originalklangorchester: ein aufregendes Geburtstagsgeschenk in Salzburg

Mit einer weiteren Sensation wartete Intendant Mark Minkowski zur Mozartwoche 2015 auf: zum ersten Mal wurden originale Mozartinstrumente – der Walter-Flügel und die Costa-Geige – für ein Konzert mit einem Originalklang-Orchester genutzt, und das genau an Mozarts 259. Geburtstag.

In abgespeckter kammermusikalische Formation spielen „Le Musiciens du Louvre Grenoble“, Francesco Corti konzentriert sich nicht nur auf den Solopart, sondern spielt – wie richtig! – auch Basso Continuo und zeigt große Meisterschaft im Umgang mit dem historischen Hammerklavier, entlockt ihm dank gekonnter Anschlagtechnik silberne, herbe, aber auch weiche und samtige Klänge: das A-Dur-Klavierkonzert KV 488 hört sich wie neu komponiert an. Die Louvrianer üben sich in Zurückhaltung und verstehen es, den an sich nicht lauten Flügel zu „begleiten“. Minkowski geht auf „Nummer sicher“ und dirigiert manchmal auch in kleineren Notenwerten, trotzdem bleibt der großtaktige Puls nicht aus. Der Kontrabassist hängt mit einem Auge an der linken Hand des Pianisten und kann so mit äusserster Präzision die 16-Fuß-Lage wie ein Orgelpedal erzeugen. Das Publikum hält zurecht den Atem an: es ist mehr als ein Genuss, es ist die höchste Form einer ehrlichen Reverenz vor dem Genius Loci zum Geburtstag. Das fis-Moll-Adagio strömt dabei tiefste Traurigkeit, die durch nichts zu überbieten gewesen wäre, in den Raum; spätestens jetzt begreifen die Zuhörer, warum Minkowski eine Schweigeminute am Beginn des Konzertes einforderte – als Gedenken für die Befreiung in Auschwitz.

Auch für das A-Dur-Violinkonzert mit Thibault Noally mit Mozarts Costa-Geige gilt Perfektion und höchste Empfindsamkeit: Stimmung, Intonation, Forte-Piano-Kontraste machen den Klang der Geige als erstaunlich hell, aber doch „körperhaft“und deutlich erfahrbar.

Nach der Pause gestaltet Minkowski mit dem nun vergrößerten Orchester die „Große C-Dur“-Symphonie von Schubert als spannendes Erlebnis. Es hätte kein besseres und aufregenderes Geburtstagsgeschenk für Mozart geben können.

Rupert Gottfried Frieberger

 

22.1.2015

Eine zündende Eröffnungsidee der Mozartwoche 2015: Mozart und Pferde

Das war wohl Weltpremiere – Mozart mit einem Pferdeballett; und nicht mit „irgendwelchen Avantgardisten“, sondern mit dem Musik- und Pferdekenner Marc Minkowski und dem Leiter der Académie équestre de Versaille Bartabas. (er schreibt sich ohne einen zweiten Namen!!) Es war nicht nur ein historischer Aspekt, dass Pferde in die Felsenreitschule Salzburg „zurückkehren“ (so, wie übrigens auch Pferde die Stallungen von Versailles wieder bezogen…), es war der Versuch, Improvisation und Choreographie mit Mozartwerken zu paaren. Es war eine ernsthafte Auseinandersetzung an einem historischen Ort – und das allein rechtfertigt den Versuch allemal.

Marc Minkowski goss die Pferde-Idee in eine Musikfolge, in deren Zentrum die Kantate „Davide Paenitente“, KV 469, die Bearbeitung und teilweise Kontrafaktur der unvollendeten C-Moll-Messe, stand; mit großer Kenntnis wählte er dann noch Adagio & Fuge c-Moll, die „Maurerische Trauermusik“, das Andante aus der kleinen C-Dur-Symphonie KV 96 und den „Priestermarsch“ aus der „Zaubeflöte“ – alles in einer Attacca-Abfolge, auf das 12 Reiter und 12 Pferde erstaunlich gut reagierten. Zur Trauermusik gab es ein großes Solo von Bartabas mit Le Caravage.

Die musikalische Realisierung lag in besten Händen bei Minkowskis Orchester „Le Musiciens du Louvre Grenoble“ und dem Salzburger Bach-Chor: in die Arkaden der Felsenreitschule hineingestellt und verteilt – das ging nur mit äußerster Konzentration und war ein mehr als willkommener Effekt. Erstaunlich, wie akustisch deutlich und präzis der Klang den Raum füllte! Das Orchester bewährt nuanciert in der Klanggestaltung auf Originalinstrumenten, der Chor plastisch, homogen und mit deutlichen Forte-Piano-Kontrasten. Dazu passende Solisten in Hochform: Christiane Karg (Sopran), Marianne Crebassa (Mezzosopran) und Stanislas de Barbeyrac (Tenor). Erwähnen muss man unbedingt die Lichtregie durch Bertrand Couderc – effektvoll, aber der Sache dienend.

Was als Versuch begann, ist als „Gesamtkunstwerk“ geglückt – Pferde in der Reitschule mit Mozart als genius loci in perfekter Darbietung: Minkowski und Bartabas wurden reichlich mit Applaus bedacht, freilich auch alle Ausführenden, Reiter, Pferde und Musiker gleichermaßen. Eine gelungene „Erneuerung“ von szenischer Darstellung zur Mozartwoche!

Rupert Gottfried Frieberger