Mozartwoche 2014

01. 02. 2014

Frischer Wind in den erstarrten Apparat

Mozarts letzte drei große Symphonien standen auf dem Programm der Wiener Philharmoniker am Samstagabend bei der Mozartwoche, dirigiert von Daniel Barenboim. Schon im einleitenden Adagio des Kopfsatzes der Es-Dur-Symphonie fiel auf: Barenboim will transparenten Klang, überrascht mit prägnantem kurzen Paukenschlag, setzt auf Eleganz, versucht den „Schönklang“, das Rokoko-Samtige wegzuzaubern. Es gelingt im langsamen Satz sogar ein sehr vibratoarmer Streicherton, sehr intim. Im Menuett sind straffe Klänge angesagt, das Holzbläser-Trio mit seinem volkstümlichen Charakter gelingt makellos – und doch gehen mit den sehr verjüngten „Wienern“ dann wieder die Pferde durch: süßlich-weinerliche Geigentöne sind angesagt, schaumgebremstes Blech mischt sich drein, wenn auch das Finale mit Spannung und Verve musiziert ist.

Das ließe sich auch auf die „große“ g-Moll-Symphonie und die Jupiter-Symphonie übertragen: sachlich, Kontrapunkte herausarbeitend, frisch – aber doch noch nicht das, was man mit Originalklang-Instrumenten noch zusätzlich an Mozart schon herausarbeiten kann; das wird auch nie gelingen können (allein schon, wenn man 5 Kontrabässe den Grund geben hört) – muss es auch nicht. Die Annäherung daran unter Barenboim war immerhin erstaunlich und brachte frischen Wind in den erstarrten Apparat.

Rupert Gottfried Frieberger

 

29.01.2014

Mozartwoche: Uraufführung als schillerndes spirituelles Tongemälde

Marc Minkowski hatte das Vergnügen am Mittwochabend am Pult der Wiener Philharmoniker zu stehen: es ist eine Tradition der Mozartwoche Salzburg, dass Mentoren der „Alten Musik im Originalklang“ das große Beamtenorchester dirigieren sollen. Und man war mehr als erstaunt, was er aus dem Klangkörper herausholte und wie er sich als Dirigent neuerer Musik profilierte. Die launisch angelegte und sachlich detaillierte Haffner-Serenade von Mozart war da fast „Nebensache“:

Im Zentrum standen zwei Stücke von Arvo Pärt, der das Winterfestival auch mit seiner Anwesenheit ehrte. „Fratres“ – mehrmals umgearbeitet und neuinstrumentiert – ist, wie fast jedes Pärt-Stück, ein eigener Klangzauber, der Publikum und Spielern das Innehalten, das Ertragen der Statik und das Erleben von wiederholten Abläufen abverlangt. Ähnlich in der Struktur – als klar erkennbarer Pärts eigener Stil – der zur Uraufführung gebrachte „Swan-Song“ mit noch schillernderer Orchestrierung als großes spirituelles, einzigartiges Tongemälde. Einfach schade, dass ein Großteil des bepelzten und  perlenbehangenen Salzburger Winterpublikums damit wenig anfangen konnte und mit Hüsteln und Süssigkeitspapierrascheln störte, unreif für die Tiefe dieser Musik?

Ebenfalls schillernde Klänge zauberte Minkowski in den Saal für „Vier letzte Lieder“ von Richard Strauss, für die intim gestalten wollende Sopranistin Soile Isokoski in der Lautstärke beinahe überfordernd.

Ein großer Dank an die Programmgestalter der Mozartwoche 2014 – nur so wird eine Erneuerung aus reiner Mozart-Isolation möglich sein.

Rupert Gottfried Frieberger

 

 

27. 01. 2014

Mozartwoche: Camerata wie im Originalklang

Die Camerata Salzburg ist bei der Mozartwoche Salzburg nicht wegzudenken: diesmal überraschte sie am Montagabend im großen Mozarteumsaal mit einem lehrreichen und seltenen Programm: Gegenüberstellungen von Arien aus „Titus“, jeweils in der Vertonung von Mozart und Gluck. Louis Langreé als ihr derzeitiger Chefdirigent sorgte für einen kompakten, kontrastreichen Orchesterklang mit deutlicher Zeichengebung ohne Stab, ließ mit wenig Vibrato spielen und näherte sich damit- unterstützt durch Naturtrompeten – in erstaunlicher Weise einem Originalkang an, dem die Gesangsolisten Malin Hartelius, Marianne Crebassa und Andrew Staples mit Bravour und Verve noch eins draufsetzten.

Rupert Gottfried Frieberger

 

23.01.2014

Jubel in Salzburg, wenn Gluck auf Mozart trifft

Eine Gluck-Oper als Auftakt der Salzburger Mozart-Woche anzusetzen ist eine mutige Sache, weiß man doch, dass die Mozarts Gluck nicht unbedingt schätzten, ja ihn sogar für einen Intriganten hielten. Aber das Gluck-Jahr (300. Geburtstag) darf dazu verleiten, noch dazu wo Mozart 1762 die Uraufführung um 1 Tag verfehlte – nun also vereint, und bekennend, dass sich wohl manches Mozartische ohne Gluck nicht denkbar wäre.  Die Aufführung am Donnerstagabend im „Haus für Mozart“ war ein umjubelter Start, wobei der Jubel einhellig für Regie u n d musikalische Darbietung gelten durfte. 

Regisseur Ivan Alexandre wählte aussagekräftige Bilder, setzte den Chor in Bewegung ein und verlieh dem altgriechischen Stoff kontrastreiche Momente mit einfallsreichen Ideen, zu denen auch die Platzierung eines Harfenisten in der Mitte der Bühne zählt.

Marc Minkowski, derzeit auch Intendant der Mozartwoche, dirigierte seine „Les Musiciens du Louvre Grenoble“ (in Zusammenarbeit mit dem Mozarteumorchester Salzburg) sachlich und stilsicher, und legte es auf einen durchgehenden roten Faden an.

Bejun Mehta (2012 von der Süddeutschen Zeitung als wohl tatsächlich der beste Countertenor der Welt apostrophiert) gab sich anfangs  wohl etwas introvertiert – eine wohl etwas zu zahme Hölle interpretierend, auch etwas statisch im Schauspiel - , lief aber schließlich doch zur Hochform auf, sodass langanhaltender Applaus für ihn mehr als berechtigt war. Camilla Tilling stand ihm als Euridice in nichts nach mit einer glänzenden Spielleistung und kontrastreichen Tönen vom andächtigen Piano bis zu beeindruckender Dramatik. Ana Quintans gab sich als verlässlicher Amor und nicht zu vergessen die schauspielerische Leistung von Uli Kirsch als Tod.

Gesangliches Bindeglied war der präsente, intonationssaubere Chorklang des Salzbnrger Bachchores (Einstudierung: Alois Glassner), der – ein Balett ersetzend – sich auch zu bewegten Szenen gebrauchen ließ. Langanhaltender Applaus für eine würdige Gesamtleistung zum Beginn der Mozartwoche 2014.

Rupert Gottfried Frieberger