Mozartwoche 2013

 

Fulimanter Auftakt der Mozartwoche 2013

 

Mit dem dramma per musica „Lucio Silla“ des 15jährigen Wolfgang Amadeus Mozart als Eröffnung setzte die Mozartwoche nicht nur einen deutlichen neuen Akzent der Programmgestaltung, sondern erwirkte noch dazu einen fulminanten Beginn des Winterfestivals.

 

Das dreieinhalbstündige 5-Personen-Stück mit Chor war als Carnevaloper in Mailand konzipiert: Regisseur Marshall Pynkoski gelang eine kurzweilige Darstellung mit Einbeziehung von – hervorragend agierenden – neun Balett-Tänzern auf dem Hintergrund eines historisierenden Bühnenbildes: den Mut dazu kann man nicht genug loben – es ist absolut nichts abgegangen, im Gegenteil, die im Libretto verlangten „Schauerszenen“ mit Grabeshallen und Kerker wirkten umso eindrücklicher, Lichteffekte und transparente stumme Nebenaktionen taten das Ihrige dazu.

 

Im Zentrum steht die Titelrolle eines unduldsamen Herrschers, der sich am Ende zum gütigen Verzeihenden wandelt: nicht unpassend ist sie mit Rolando Villazón besetzt, der freilich nicht leugnen kann, dass seine Schwerpunkte woanders als bei Mozart liegen, und der sich in seiner ausladenden Kadenz der letzten Arie wohl mehr zur Selbstdarstellung hinreißen ließ, als dem Werk zu dienen.

 

Entdeckung des Abends ist zweifellos Marianne Crebassa als Cecilio, die alle Register ihres Mezzospranes zog und virtuos, bravourös und mit nötiger Dramatik sehr werkgetreu die Rolle darstellte – berechtigterweise erntete sie auch den meisten Applaus.

 

Olga Peretyatko ist eine verlässliche Giunia, Inga Kalna sorgt als Lucio Cinna vor allem in der sechsten Szene für Klarheit und Ausdruck. Bleibt noch für die Partie der Celia Eva Liebau zu nennen, die mit ihrem Timbre passend den weiblichen Teil des Sekundarpaares übernimmt und in gutem  Kontrast zu Giunia steht, meisterhaft in den Colaraturen ihrer gut erfundenen Kadenzen.

 

Der Salzburger Bach-Chor singt kräftig, intonationssauber und stilgetreu: er  weiß am Ende des ersten Aktes mit einem Auftritt aus dem Publikum zu überraschen und bildet in der Schluß-Szene die richtige Klammer zu allen Ausführenden. Von denen ist ganz besonders hervorzuheben das Orchester „Les Musiciens du Louvre Grenoble“  - mit seinen Originalinstrumenten gelingt die richtige Schattierung und Konstrastierung der Klänge, gelingt die Stimulanz für die Bühne, gelingt die Klammer von Bild und Ton. Alle Klangregie läuft zusammen in den Händen von Marc Minkowski, einem wahren Könner, der nicht nur Klänge zu organisieren vermag, sondern der mit richtigen Tempi dem Augenblick noch Raum lässt, dass Mozarts Musik nicht vorprogrammiert, sondern spontan, neu und interessant klingt. Auf sein Konto geht wohl der meiste Erfolg dieser Opernaufführung als wahre Sternstunde der diesjährigen Mozartwoche – Wiederholungen des selten zu hörenden Werkes gibt es noch am 29.1. und 1.2., jeweils im „Haus für Mozart“, das sich klanglich bestens für die Aufführung eignet.

 

Rupert Gottfried Frieberger

 

25.1.2013

Neuerliche Überraschung in Salzburg

 

Auch im zweiten Abendkonzert der Mozartwoche 2013 im Großen Festspielhaus am Freitag sorgte die neue Intendanz für Überraschung: nicht, wie gewohnt, einen Dirigenten der Szene der „Alten Musik“ vor die Wiener Philharmoniker war angesagt, sondern der im traditionellen Musikbetrieb wohl verankerten, erfahrene und erfolgreiche Sir Simon Rattle sollte sein Können vor dem auf Originalinstrumenten spielenden britischen Orchestra of the Age of Enlightenment unter Beweis stellen.

Mit viel Engagement und Elan, mit Verve einerseits, höchster Empfindsamkeit andererseits – ohne Stab, kenntnisreich, führte Sir Simon die drei großen Symphonien in Es-Dur, g-Moll und C-Dur („Jupiter“) zu einer erstaunlichen Geschlossenheit der Darbietung, andererseits gelang es ihm, den jeweiligen Charakter vorzustellen – wozu der singuläre Orchesterklang das Seine beitrug: dafür stellvertretend sei das Adagio der Es-Dur-Symphonie genannt, das wohl kaum intimer und verinnerlichter gelingen kann.

 

Rupert Gottfried Frieberger

 

27.1.2013

Nicht gerade hinreissend

 

Der neue Intendant der Salzburger Mozartwoche, Marc Minkowsi, zeichnete für das Sonntagabendkonzert im großen Saal des Mozarteums verantwortlich; dazu standen ihm „sein“ Orchester „Les Musiciens de Louvre Grenoble“ mit Sopranistin Olga Peretyatko und dem Bass-Bariton Christian Helmer. Aber: im Vergleich zur fulminanten Oper war das Ergebnis diesmal weniger befriedigend. Ein massiger Orchesterklang in einer von Wagner ergänzten Gluck-Ouvertüre , die Sopranistin bei Don-Giovanni-Arien stilistisch völlig unpassend, am ehesten noch einheitlich mit Helmer in der Leporello-Arie. Oder war es gerade das, was Minkowski mit seiner verbalen Einleitung meinte, wenn er eine Tangente zu Richard Wagner legen wollte? Dessen C-Dur-Symphonie war der interessanteste Beitrag des Abends, Wagner nahezu vibratolos, aber dennoch kräftig, aber auch hier bisweilen polternd und lärmend. Die Zugabe des Kopfsatzes der „großen“ g-Moll-Symphonie von Mozart hätte man sich sparen können.

 

Rupert Gottfried Frieberger

 

 

30. 1. 2013

Wenig spannend, eher nach „russischer Manier“

Wenn Till Reininghaus im aufwändigen Programmheft zum Orchesterkonzert der Mozartwoche Salzburg am 30.1. im Großen Festspielhaus als Einführung der Orchesterfassung der Klavier-Fantasie c-Moll KV 475  durch Johannes Maria Staud (*1974) von „neuen aufregenden Facetten“ schrieb, war dies wohl maßlos übertrieben: unpassende Posaunen-Effekte, ein sich in Szene setzendes Klarinettensolo, dazu die durch Intonationstrübungen schwebenden hohen Holzbläser samt den schlacksigen Dirigierbewegungen des jungen griechischen Dirigenten Teodor Currentzis am Pult der Wiener Philharmoniker gaben dem neuen „Werk“ keinen guten Start ins Leben – eher wirkte es, als ob der Arrangeur alles nur mit Mozart-Tönen Mögliche in diese Klavierpartitur verpacken wollte.

 

Im Klavierkonzert c-Moll KV 491 setzte Currentzis für den Anfang auf das tragische Element der Haupttonart, dem Pierre-Laurent Aimard als Solist mit feinnervigem Anschlag und perlenden Tonketten konterte. Dramatischer Wirbel und polierter Schönklang auch im larghetto-artigen zweiten Satz; ob hier auch die russische Ausbildung des Dirigenten zur Begründung herangezogen werden darf, wenn die linken Hände der Streicher nahezu reflexartig wie unter Strom gesetzt zu einem heute mehr denn je unpassenden Vibrato erzitterten und den Sound zu kitschiger Süßlichkeit verzerrten? Aimard – zurecht mit viel Beifall bedacht – mühte sich schier vergeblich, mit diskreter Agogik und gekonnter Detailgestaltung sein besseres Mozartverständnis zu Gehör zu bringen.

 

Versöhnlicher stimmte die routinemäßig gespielte „Linzer“ Symphonie KV 425, mit schönen Momenten im langsamen Satz und einem packenden abschließenden Presto – alles in aufgeblähter Besetzung mit vier Kontrabässen und vielen Geigen. An sich schon wieder „historisch“ in der Klangdemonstration.

 

Rupert Gottfried Frieberger

 

2.2.2013

 Zum Ausklang in Salzburg erfrischend Neues

 Semyon Bychkov übernahm das Dirigat der Wiener Philharmoniker am Samstagabend im Großen Festspielhaus Salzburg für den erkrankten Georges Pretre – und das mit großem Erfolg. Schon der einleitenden selten zu hörenden C-Dur-Symphonie von Bizet rang er unbekannte Facetten ab. Elisabeth Kulman sang mit starkem Ausdruck die „Wesendonck-Lieder“ von Richard Wagner, packend und berührend gleichermaßen, begleitet in der Orchesterfassung von Felix Mottl, die bei aller Klangschattierung es einer Sängerin nicht gerade leicht macht. Schließlich eine mustergültige „Jupiter“-Symphonie (mit angemessenem Menuett-Tempo, das vieles sonst Unhörbare zum Klingen brachte) für alle Mozartfreunde aus nah und fern, von denendie meisten diese erfrischende Neuorientierung der Mozartwoche über den klassischen Tellerrand hinaus dankbar annahmen.

 

Rupert Gottfried Frieberger