Laudatio zur Verleihung des Landeskulturpreises 1993

Wolfgang Winkler:
Über Rupert Gottfried Frieberger

„Der diesjährige Landeskulturpreisträger, Dr. Rupert Gottfried Frieberger, ist einem apostalischen Nuntius der Musik vergleichbar. Zumindest behauptet der Geehrte das in seinem kleinen Buch über Gesichten und Geschichtchen seines bisherigen Lebens mit dem passenden Titel „Zwischen Orgelbock und Dirigentenpult“ selbst.
Der Orgelbock ist wohl der Hinweis auf einen Teil seiner Musikerseele und das Dirigentenpult der andere, wobei der Autor mit diesem Titel der Fülle seiner sonstigen Tätigkeiten in keiner Weise gerecht wird. Ein kleiner Auszug soll es verdeutlichen: Autor, Stiftskapellmeister, Komponist, Musikkritiker, Lektor an Universitäten, Orgelsachverständiger, Musikschuldirektor, Konzertsolist. Es sollte nicht schwer fallen, auf noch ein oder das andere Betätigungsfeld zu kommen.

Rupert Gottfried Frieberger wurde 1951 in Linz geboren und studierte nach der Schule an der Musikhochschule Wien Kirchenmusik und Komposition und an der Universität Theologie, Praemonstratenserchorherr wurde er mit 18 Jahren im Jahre 1969. Seit dieser Zeit ist er im Stift Schlägl beheimatet. Wenn man von den Schlägler Meisterkursen hört und Schlägl als Orgelzentrum in Oberösterreich bezeichnen kann, so sind das zweifellos Spuren der unglaublichen Energie des Geehrten.

Der Komponist Frieberger ist in seinem Schaffen von der intensiven Beschäftigung mit Alter Musik geprägt. Seine Art des Komponierens scheint ein Dialog des Musikers des 20. Jahrhunderts mit jener Musik zu sein, die für den heutigen Rezipienten schon so alt ist, dass sie den Charakter von Neuer Musik bekommt. Diese Art des kreativen Dialogs vermeidet sowohl das „nur Konservative“ als auch jede Art von Modernismus. Das erlaubt auch, Frieberger als Musikhandwerker im Sinne des 18. Jahrhunderts und früher zu bezeichnen: Musik zu „machen“ war allen Komponisten dieser Zeit nicht nur Anliegen, sondern auch ein Teil ihrer Berufspflicht. Dieses Musikmachen als innere Pflicht vermeint man in allen Werken von Rupert Gottfried Frieberger zu hören. Es ist Musik, die zum Gebrauch gemacht ist und die ihren zeitlosen Wert durch ihre Auseinandersetzung mit allen Strömungen dieses Jahrhunderts, ohne diesen sinnlos zu folgen, erhält.
Damit soll gesagt werden, dass der Komponist Rupert Gottfried Frieberger ein Musikpragmatiker ist, der in dieser Beziehung in keiner Weise dem 19. Jahrhundert mit seiner Künstlerverklärung verpflichtet ist.

Die Universalität in Sachen Musik, die ihn charakterisiert, verfestigt dieses Bild des eigenständigen Komponisten.

Als Beispiel kann das Kammeroratorium „Mysterium crucis“ für Sprecher, Chor und acht Instrumente genannt werden, mit dem Frieberger in Form von öffentlichen Aufführungen und einer Plattenproduktion erst in jüngster Zeit vor sein Publikum getreten ist. Ein Werk, das seine Stellung innerhalb der Musik unseres Jahrhunderts unterstreicht und das sein kompositorisches Schaffen nur vorläufig abrundet, denn bei seiner Aktivität ist mit weiteren Werkplänen fix zu rechnen.

Frieberger ist ein international anerkannter Komponist und Musiker, und das Land Oberösterreich freut sich, einen seiner Komponisten mit dem diesjähr8igen Landeskulturpreis im Bereich Musik zu ehren.“